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Aufbruch zur Selbstbestimmung
Erkaufen wir uns wirklich Lebensqualität? Müssen wir uns sagen lassen, was gut für uns ist? Oder haben wir die Kraft, es selbst herauszufinden - und es zu leben?!
Können wir uns frei machen von der Gängelung, unabhängig vom Wechselbad der Verführung und Enttäuschung? Frei und selbstbestimmt!
Wir wollen entscheiden, was "gut" ist, wollen Qualität statt Quantität, Gerechtigkeit statt Abzocke, Miteinander statt Faustrecht, Sein statt Haben!
Wissen kann bewegen
Was passiert, wenn wir erfahren, wie "untragbar" die Arbeitsbedingungen der Näherinnen für unsere Kleidung sind, wie "bitter" das Kaffeeernten war, wie "sauer" das Zuckergeschäft für die Länder des Südens ist? Wenn es "um die Wurst" geht und was da drin ist.
Wenn wir wüssten,
- dass Arbeiterinnen täglich 14 Stunden für einen Hungerlohn nähen und dabei stundenlang nicht zur Toilette dürfen,
- dass die Kinder bei der Kaffeeernte mithelfen müssen, damit die Familie versorgt ist,
- dass wir mit dem Zuckerpreis bei uns dafür zahlen, dass der teuerste Zucker der Welt mit Hilfe von "Ausfuhrerstattungen" alle anderen unterbieten und am Absatz hindern kann,
- wie viel Soja in manchem Fleisch steckt, das von gerodeten Regenwaldflächen stammt,
- usw.?
Es gibt Alternativen
Es gibt Unternehmer, die neue Wege gehen, Verantwortung übernehmen, sich zur Einhaltung ökologischer Standards und sozialer Kodices (Vereinbarungen) für die Näherinnen von Textilien verpflichten.
Es gibt fair gehandelten Kaffee, sogar im Supermarkt, der den Kleinbauern existenzsichernde Löhne garantiert. Es gibt politische Veränderungen auf dem Zuckermarkt.
Und es gibt Fleisch aus ökologischer Landwirtschaft, bei der die Tiere mit Futter vom eigenen Hof ernährt werden.
Es gibt auch nachhaltige Produkte, die langlebig, ökologisch, sozialverträglich und ethisch verantwortbar etc. sind. Es gibt die Möglichkeit zum verantwortungsvollen Umgang mit Energie und Rohstoffen.
Und diese Formen des Nachhaltigen Konsums müssen in keiner Weise der Lebensfreude und -qualität abträglich sein!
Nachhaltiger Konsum und Entwicklung
In besonderer Weise sind wir Verbraucher/innen gefordert, wenn durch unseren Konsum Menschen auf der anderen Seite des Globus zu leiden haben. Ähnlich den wiederholten Phasen der industriellen Entwicklung bei uns, deren Auswirkungen im eigenen Lande sichtbar wurden, zeigen sich nun ökologische, ökonomische und soziale Folgen unserer Konsum- und Produktionsbedingungen in einer globalisierten Gesellschaft häufig in fernen Ländern.
Jedoch sollen über die geografischen und kulturellen Distanzen hinweg die direkten Folgen und Zusammenhänge unseres Handelns in der Ferne sichtbar gemacht werden.
Armut und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage in den Ländern des Südens erscheinen dann (für Verbraucher) nicht mehr losgelöst von Ursachen, sondern stehen in direktem Zusammenhang mit den eigenen Konsumentscheidungen. An Stelle eines Appells zu mitfühlender Hilfe und Spenden werden verantwortungsbewusstes Verbraucherverhalten gefordert und verbraucherpolitische Strategien angeregt.
Eine Suchbewegung
Leider kommen wir nicht umhin, ein "Dickicht" an Informationen zu durchforsten, um Handlungsmöglichkeiten zu finden, Konsumlösungen zu entdecken und zu entwickeln,.Denn das, was wir unter Nachhaltigkeit und Nachhaltigem Konsum verstehen, sind nur Momentaufnahmen in einem ständigen Entwicklungsprozess, der zu unserer Welt gehört.
Vielfalt des Angebotes
Wir müssen auch feststellen, dass es für den Nachhaltigen Konsum kein einheitliches Konzept gibt, sondern viele verschiedene Möglichkeiten. Dies muss nicht von Nachteil sein, denn jede/r kann dadurch einen individuellen Weg finden.
Es gibt viele und auch sehr einfache Möglichkeiten mit dem Nachhaltigen Konsum zu beginnen: z.B. einfach mal ein Produkt aus fairem Handel kaufen, auf das Biosiegel achten etc..
Handlungsmöglichkeiten sind in vielen Wegweisern, Verbraucherinformationen, Tests, Qualitätsstandards und -siegeln etc. zu erfahren. In unserer Welt ist es nicht schwer, an diese Informationen heranzukommen, wenn man interessiert ist.
Je häufiger Verbraucher/innen Interesse an nachhaltigen Produkten zeigen, um so stärker wird sich auch ein entsprechendes Angebot entwickeln.
Gemeinsam sind wir stark
Wir haben aber auch die Möglichkeit, kritisch nachzufragen, unseren Protest zu äußern, uns an Postkarten- und E-Mail-Aktionen zu beteiligen oder Informationen über unzulässige Produktionsbedingungen zu verbreiten. Unternehmen, wie z. B. die Markenimperien in der Sportbekleidungsbranche sind sehr sensibel gegenüber Kritik und Imageverlust. Sobald sie den Protest und die Forderungen vieler Menschen registrieren, müssen sie sich etwas einfallen lassen.
Ein Direktor vom Jeansfabrikanten Levi"s Strauss sagte: "In der heutigen Welt kann ein einziger Fernsehbericht über schlechte Arbeitsbedingungen die langjährigen Bemühungen eines Unternehmens zerstören, eine spezifische Markenloyalität zu entwickeln".
Politik für Nachhaltigkeit von unten
Nicht nur von Produzenten, sondern auch von Regierungen können wir Strukturen einfordern, in denen Nachhaltiger Konsum zum Wohle der gegenwärtig und zukünftig lebenden Menschen in einer globalisierten Welt gefordert wird.Ein Zitat zum Abschluss
"Nachhaltig leben heißt, gut, gesund, partnerschaftlich und tolerant zu leben, den Dingen ihren Wert gewähren, bewusst genießen, auch genussvoll konsumieren. Das heißt auch, auf Qualität zu achten, nicht jeder Mode nachzulaufen, aber auch nicht jede zu verachten, das gehört zur Lebensqualität. Nachhaltig konsumieren heißt, sich zu erinnern, dass das Bessere der Feind des Guten sein sollte, nicht das Billigere; dass ferner Gemeinschaftlichkeit und Individualismus zusammengehören wie Partnerschaftlichkeit und Selbstständigkeit.
Nachhaltige Lebensstile sind die Kunst des richtigen Verhaltens in falschen Strukturen. Deshalb braucht es beides, Politik von oben und Handeln von unten. Nur zusammen entstehen nachhaltige Produktions-, Konsum- und Wirtschaftsstrukturen."
Aus: Joachim H. Spangenberg/Sylvia Lorek, Sozio-ökonomische Aspekte nachhaltigkeits-orientierten Konsumwandels; in: Aus Politik und Zeitgeschichte 24/2001, S. 29.
Anregungen durch das Handbuch
Das Handbuch bietet Beispiele, Ideen und Methoden für das interaktive Lernen und für Aktionen, die eine Sensibilität für die Notwendigkeit und Ideen für die Machbarkeit Nachhaltigen Konsums vermitteln sollen.
Wir hoffen, dass diese Beispiele Lust wecken, sie einzusetzen, sie abzuwandeln und dass es Spaß macht, sich in kreativer Weise in den gesellschaftlichen Diskurs zum Nachhaltigen Konsum und einer solidarischen Entwicklung einzubringen.
Weitere Denkanstöße und Definitionen zum Nachhaltigen Konsum und Links im Internet finden Sie in den Materialien.
Die Illustrationen sind Fotografien von Großplakatflächen, die der Grafikdesigner Stephan König (www.genausoundanders.de) im Rahmen der Ausstellung THE ABC, Semiotik des Widerstandes im August 2005 in der Berliner Innenstadt gestaltete. Â Sie sollen mit ihrer ironisch-satirischen Darstellung dem Thema eine humorvolle Note geben.



